Love Parade im Parkhaus

„Juli 2000: Höchste Alarmbereitschaft riefen Polizei und Feuerwehr aus, als am Sonnabendvormittag im Parkhaus des Europa-Centers ein Feuer ausbrach. Viele Raver schliefen dort in ihren Autos, um sich von den Strapazen zu erholen. Das Feuer in einem leeren Auto konnte schnell gelöscht werden, die Parkgarage hatte die Polizei trotzdem geräumt. Verletzt wurde niemand“, berichtete der Berliner Tagesspiegel. Zwei Mitarbeiter der Contipark-Wache halfen das Parkhaus zu räumen und alle Kunden rechtzeitig aus dem Parkhaus zu schaffen – beide kamen mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Die Brandursache war schnell gefunden: Mehrere Musikboxen, die nicht fachgerecht an dem Auto angebracht waren, führten zu dem Feuer. Eine Stadt im Ausnahmezustand, Hunderttausende, später gar eine Million partylustige Menschen bevölkerten die deutsche Hauptstadt. Lustig, friedlich und nicht selten im Extasy-Rausch tanzten, pardon ravten, die Technofans 1989 bis 1996 in der City-West vom Zoo in Richtung Kudamm und dann weiter. Später zogen sie dann auf die Straße des 17. Juni um.

Die Love Parade: Für die einen ein schillerndes Partyvergnügen, für die Contipark-Mitarbeiter harte Arbeit – nicht selten an der Belastungsgrenze, manchmal sogar darüber hinaus.

In der Regel kamen die Raver mit extrem wenig Schlaf aus. Aufgeputscht durch hämmernde Technobeats und oft auch auf „Droge“ tanzten sie bis zum Umfallen. Zum Ausruhen kehrte das Partyvolk regelmäßig auch in den Parkhäusern Europa-Center, Parkhaus am Zoo (inzwischen abgerissen), Kudamm-Karree und Stilwerk ein. Die damals noch übliche Wache war an diesen Tagen von 07:00-19:00 und 19:00-07:00 Uhr in zwei 12-Stunden-Schichten im Einsatz. Sicherheitschef Peter Schwientek war 24 Stunden in Dauerbereitschaft. Die Besucher der Love-Parade parkten nicht nur bei Contipark, sie schliefen auch in Zelten in den Parkhäusern. Contipark reagierte ganz unbürokratisch und stellte im Parkhaus Stilwerk das zweite Untergeschoss ganz offiziell den aus aller Welt angereisten Techno-Jüngern zum Zelten zur Verfügung. Nach ein paar Tagen war der „Spuk vorbei“ und die Raver wieder weg – nur ihre Hinterlassenschaften nicht. Nach der Love Parade mussten die Parkhäuser nicht selten mit einem Wasserschlauch flächendeckend vom Unrat gereinigt werden.

Titelbild: Arne Müseler / arne-mueseler.de, Loveparade 2001 berlin 13, CC BY-SA 3.0 DE